Zwei Menschen treffen im Schlafabteil der Bahn von München nach Berlin aufeinander. Es sind die beiden Hauptfiguren Paul und Henry, zwei Jugendliche mit verschiedenen Lebensgeschichten, aus denen sie sich in den nächsten Stunden gegenseitig erzählen werden. So verläuft auch der Anfang des Buches noch sehr gemächlich: Henry erzählt von einem Freund und über die Dinge die er mit ihm erlebt hat. Dabei werden immer wieder Gedanken geäußert, die eine andere Rezensentin sehr schön mit "Küchentischphilosophie" beschrieben hat und die ein wenig realtitätsfremd wirken, v.a. wenn man bedenkt, daß die beiden sich vorher nicht gekannt haben und dann schon solche Gedanken miteinander austauschen. Doch anders als bei Leberts Erstlingswerk soll es ja auch keine autobiographische oder sonst irgendwie authentische Handlung sein, das wird schon auf den ersten Seiten des Buches nochmal ausdrücklich betont. Daher mag man dieses gegenseitige Erzählen als Stilmittel akzeptieren, mit dem der Autor den Leser an die Handlung heranführt. Etwas verwirrend ist es, wenn mal Henry, dann wieder Paul aus der Ich-Perspektive erzählt und es somit keinen einheitlichen Ich-Erzähler gibt. Während sich die erste Hälfte des Buches relativ langweilig dahinzieht, würde man sich für den Rest etwas weniger Action erhoffen. Da geht es dann plötzlich Schlag auf Schlag und der Leser ist etwas erstaunt ob der plötzlichen Handlung, die mit immer neuen Wendungen bis in den letzten Satz hinein überrascht. Da ich in dem Buch keine richtige "Message" entdecken konnte, ist es wohl wirklich nur zur Unterhaltung gedacht, doch auch die blieb bei mir eher auf der Strecke. Das Buch ist nicht wirklich sozialkritisch, schildert aber eigentlich bloß negative Lebensumstände und die Handlung wird zum Schluß sogar noch etwas morbide. Nach der Lektüre bleibt der Leser etwas verstört zurück und wundert sich über das negative Weltbild, das hier zum Ausdruck kommt.